Tod darf kein Tabuthema sein
 
Hospiz-Verein will in Bewegung bleiben
Die Zukunft der Hospiz- und Palliativarbeit - darüber diskutierten am Sonnabend zahlreiche Ehrenamtliche beim Hospiz-Tag. Fortschreitende Professionalisierung, eine breite Öffentlichkeit und Enttabuisierung des Themas "Tod und Sterben" wünschen sich die Beteiligten für die Zukunft.
Von Christoph Starke
CELLE. Diese Zugfahrt bleibt Jochen Steurer noch lange im Gedächtnis: Vor kurzem saß der Hospiz- und Palliativberater im Speisewagon eines ICE und unterhielt sich mit zwei anderen Fahrgästen. Als es um die Berufe ging, hörte der eine angeregt zu, der andere lief bleich an. "Bitte hören Sie auf zu reden", forderte er den Theologen auf. Der Mann hatte vor kurzem seinen Vater verloren. Das Thema Tod wollte er verdrängen.

Der Palliativ- und Hospizberater war am Sonnabend zu Gast beim Hospiz-Tag im Celler Kreistagssaal an der Trift. Thema der Veranstaltung war "Aufbruch in der Hospiz-Bewegung. Wir machen uns auf den Weg - wenn nicht wir, wer dann?" Steurers Erlebnis zeigt: Die Enttabusierung des Themas Tod bleibt auch für die Zukunft die Hauptaufgabe der Hospizarbeit. Zusammen mit dem Hamburger Theologen und Autor hatte sich die Hospiz-Bewegung Celle Stadt und Land im Vorfeld der Veranstaltung zusammengesetzt, um die Arbeit der Bewegung für die Zukunft auszuloten. Der Hospiz-Tag bildete den Abschluss der Hospiz- und Palliativwoche in Celle.

"Wir müssen dem Tod ein menschliches Gesicht geben", fordert Steurer. Die Engagierten in der Hospiz-Bewegung sind sich einig: Das geht nur über noch mehr Öffentlichkeit. In Zukunft muss sich die Bewegung mit einer Professionalisierung des Haupt- und Ehrenamts auseinandersetzen, ebenso wie mit der Dokumentation und der Qualitätssicherung. Ein noch größerer Fokus solle auf die Trauerarbeit gelegt werden.

Auch eine Verknüpfung zu anderen Einrichtungen, Institutionen und Behörden müsse vorangetrieben werden. Das Celler Netz , ein Verbund verschiedener Einrichtungen der Hospiz- und Palliativarbeit, sei in dieser Hinsicht bereits gut aufgestellt.

Die kommissarische Vorsitzende der Hospiz-Bewegung Clothilde Vette sieht in den kommenden Jahren "eine große Chance" für ihren Verein. Es gehe darum, genau nach den Bedürfnissen der Betroffenen zu schauen. Deswegen müssten sich die Ehrenamtlichen weiter fortbilden, weiter bewegen. "Denn Stillstand ist Rückgang", so Vette.

l Hospiz-Preis für Cellerin: Doch Celle braucht sich nicht zu verstecken. Das beweist Erika Möller, Mitglied der Hospiz-Bewegung. Am Sonnabend wurde sie in Goslar mit dem ersten Hospiz-Preis ausgezeichnet.



"Für mich und die Gruppe bedeutet es, dass unsere Arbeit geschätzt wird und somit eine breitere Öffentlichkeit angesprochen wird", sagte sie.

Die 72-jährige Cellerin habe seit der Entstehung der Hospiz-Bewegung maßgeblich deren Bild in der Öffentlichkeit geprägt, heißt es in der Begründung. Dabei habe sie nie einen Vorstandsposten inne gehabt, aber im Hintergrund mit ihrer Öffentlichkeitsarbeit Verantwortung übernommen. Mit der Ehrung solle deutlich gemacht werden, dass "wesentliche Hospizarbeit mehr ist als die klassische Begleitung". Als Preis erhielt Erika Möller eine mehrtägige Reise nach Goslar sowie einen Siebdruck des Künstlers Gerd Winner.

Die Ehrungen übernahmen der Hildesheimer Weihbischof Hans-Georg Kloitz und Niedersachsens Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann. Die Hospiz-Stiftung Niedersachsen hat den Preis zusammen mit Ross-Luttmanns Ministerium ausgeschrieben. Die Ehrung ist bundesweit bisher einzigartig.
"Stillstand ist Rückgang": Clothilde Vette spricht auf dem Hospiz-Tag im Kreistagssaal.

Rückfragen an: Christoph Starke Cellesche Zeitung


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